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Wohnimpulse 2010

Sanierungsoffensive bringt 500 Millionen zusätzliche Wertschöpfung

4.3.2010

Die Revitalisierung von Ortskernen, die Sanierung von Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie der Umstieg auf alternative Energien schonen auf lange Sicht nicht nur das Klima, sondern bringen mit spürbaren Impulsen für die heimische Wirtschaft und damit für den Arbeitsmarkt auch sofort etwas. Dass es diese Herausforderungen jetzt anzupacken gilt, betonten die Experten bei der Veranstaltung „Wohnimpulse 2010“, die unter dem Motto „Konjunkturbelebung mit Klimaschutz“ stand. Das Thema weckte großes Interesse: Mehr als 700 Gäste waren ins RaiffeisenForum der Raiffeisenlandesbank OÖ gekommen.

Konjunkturimpuls sichert 6.250 Arbeitsplätze

Die groß angelegte Konjunkturpartnerschaft von Raiffeisen Oberösterreich, die gemeinsam mit der Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Oberösterreich gestartet wurde, ist ein wichtiger Impuls für die heimische Wirtschaft: „In Oberösterreich gibt es rund 110.000 Wohnhäuser mit Sanierungsbedarf. Wenn wir es schaffen, dass wir pro Jahr 10.000 Häuser sanieren, dann bringt das eine Wertschöpfung von 500 Millionen Euro“, betonte Ludwig Scharinger, Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank OÖ, in seinem Impulsreferat. Werden Steuern und Abgaben der dafür notwendigen Wohnbauförderung gegenübergestellt, so bleibe von diesem Konjunkturimpuls ein positives Delta in der Höhe von 94,8 Millionen Euro für die Öffentliche Hand. Rund 6.250 Arbeitsplätze könnten so gesichert werden. „Das alles bringt außerdem mehr Wohnkomfort und mehr Lebensqualität. Wir haben es hier mit einer mehrfachen Win-win-Situation zu tun: für die Großeltern, für die Enkelkinder, für die Öffentliche Hand, für den Klimaschutz, für die Kulturlandschaft und für die Handelsbilanz“, so Scharinger.

Energieverbrauch auf ein Zehntel reduzieren

Erich Rainbacher, Generaldirektor der Raiffeisen Bausparkasse, hob hervor, dass der Energieverbrauch auch in Hinblick auf die Erreichung des Kyoto-Ziels gedrosselt werden müsse. Weil 20 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf den Wohnraum entfallen, gebe es hier riesige Einsparungspotenziale. Immerhin könnte laut Rainbacher der Energieverbrauch bei einem Haus durch erfolgreiche Sanierungsmaßnahmen auf bis zu 10 Prozent reduziert werden. „Wichtig ist, dass eine Generalsanierung einzelnen Maßnahmen, die nicht zusammenpassen, vorgezogen wird“, unterstrich Rainbacher und verwies auf entsprechende Finanzierungsmodelle.

Forderung nach Handwerkerbonus

Für die Einführung eines Handwerkerbonus setzt sich Günther Pitsch, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk der Wirtschaftskammer Oberösterreich, ein. In Anlehnung an das deutsche Modell könnte dieser Handwerkerbonus so aussehen: „Bei Handwerkerrechnungen bis zu einem Höchstbetrag von 6.000 Euro für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsarbeiten in privaten Haushalten sollten 20 Prozent der in Rechnung gestellten Arbeitskosten steuerlich absetzbar werden.“ Ein solcher Handwerkerbonus würde laut Günther Pitsch positive Effekte für die Beschäftigung auslösen.

Altbestand muss genutzt werden

Zwei zentrale Aufgaben sieht Wohnbau-Landesrat Manfred Haimbuchner auf sein Ressort zukommen: Einerseits will er für leistbares Wohnen sorgen, andererseits muss nachhaltig Eigentum gesichert werden. „Es ist notwendig, dass wir energiesparend planen und bauen. Weiters müssen wir überlegen, wie wir mit dem Altbestand umgehen“, so Haimbuchner. Denn dort sei wichtige Infrastruktur bereits vorhanden, zudem sei freier Grund und Boden ohnehin eine begrenzte Ressource. Obwohl aber auch er „mit dem Budget zu kämpfen“ habe, sollen weiterhin ausreichend finanzielle Mittel für den Wohnbau zur Verfügung stehen. „Wir müssen aber auch einige Vorschriften und Verordnungen hinterfragen: Was können wir verbessern, wo können wir Kosten einsparen und wo können wir den Bürgern Vereinfachungen bringen?“ So sieht er beispielsweise Energiekennzahlen, aber auch die Koppelung von Förderungen an den Einbau von Wohnraumbelüftungen eher kritisch.

Umstieg auf erneuerbare Energien

„Der Konjunkturmotor Klimaschutz ist die größte arbeitsmarktpolitische Chance, die wir haben.“ Umweltlandesrat Rudi Anschober sieht im Umstieg auf erneuerbare Energien nicht nur die Chance, die Abhängigkeit vom Ausland einzuschränken, sondern wittert auch Aufträge für die heimischen Betriebe: „Wir müssen die Schatzkiste Energieeinsparung endlich öffnen und nützen. Die besten Produkte kommen aus Oberösterreich. Wir müssen schauen, dass der Kreislauf funktioniert und das Geld an regionale Betriebe geht, die vor Ort für Beschäftigung sorgen“, so Anschober, der sich derzeit für eine Energiesparmilliarde stark macht. Mit Sanierungsmaßnahmen sei ein Vielfaches des eingesetzten Geldes an Rendite möglich: „Im Durchschnitt können die Energiekosten pro Jahr nach einer Sanierung um 2000 Euro gesenkt werden.“

„Eigentum muss für jeden leistbar sein“

Auch für Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl ist klar, dass ein Schwerpunkt auf die Sanierung gelegt werden muss. Aber auch der Neubau darf nicht vernachlässigt werden: „Wohnen ist ein Grundbedürfnis und bedeutet Lebensqualität.“ Förderungen müssen daher dazu beitragen, dass sich die Bevölkerung ordentlichen Wohnraum leisten kann. Pro Jahr sollen in ganz Oberösterreich, aber gerecht auf alle Bezirke verteilt, rund 2000 neue Wohnungen errichtet werden. Ein klares Ziel sieht Hiesl auch darin, dass es für jeden möglich sein muss, sich Eigentum zu schaffen: „Der Einstieg für Junge ins Eigentum ist schwierig. Daher sind Mietkauf-Wohnungen ein brauchbares Instrument, da man so beweglich bleibt. Wir müssen aber auch ältere, leistbare Stadtwohnungen für junge Menschen reservieren.“ Zudem plädierte Hiesl dafür, die Fixkosten für Wohnen rechtzeitig so zu gestalten, dass das Wohnen auch in der Pension nicht zu einer großen finanziellen Belastung wird.

Alle Fördermöglichkeiten ausschöpfen

Um die vielen Möglichkeiten einer Wohnhaussanierung zu verdeutlichen, stellten die Architekten Anne Mautner-Markhof und Gerhard Schmid verschiedenste Maßnahmenpakete und Gestaltungspläne von sanierungsbedürftigen und -würdigen Häusern vor. Harald Stellnberger, Leiter des Raiffeisen Wohn Service, präsentierte die passenden Muster-Finanzierungspläne und betonte, wie wichtig es sei, alle Fördermöglichkeiten auszuschöpfen.

Fotos


Architekt DI Gerhard Schmid, Mag. Michaela Keplinger-Mitterlehner, Vorstand Raiffeisenlandesbank OÖ, Architektin DI Anne Mautner-Markhof, Dr. Georg Starzer, Vorstand Raiffeisenlandesbank OÖ (v.l.n.r.)

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Foto: Strobl


Raiffeisenlandesbank OÖ-Generaldirektor Dr. Ludwig Scharinger, KommR Ing. Günther Pitsch, Spartenobmann Gewerbe und Handwerk Wirtschaftskammer OÖ, Umweltlandesrat Rudi Anschober, Landeshauptmann-Stellvertreter Franz Hiesl, Wohnbaulandesrat Dr. Manfred Haimbuchner, Dr. Erich Rainbacher, Generaldirektor der Raiffeisen Bausparkasse (v.l.n.r.)

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Foto: Strobl

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